1. – 13. Schuljahr

Xenia-Rosemarie Reit

Wie kommt die Deutsche Bahn zu ihren Preisen?

Wie viel kostet ein Zugticket? Sind doppelt so lange Strecken, doppelt so teuer? Entscheidet die Fahrzeit oder die Fahrstrecke über den Ticketpreis? Mit diesen Fragen beschäftigten sich Schülerinnen und Schüler der achten Jahrgangsstufe eines Frankfurter Gymnasiums, um herauszufinden, wie die Preise bei der Deutschen Bahn (DB) berechnet werden. Ein Modellierungsprozess kam in Gang, bei dem gemeinsam und binnendifferenziert gearbeitet wurde.
Frankfurt am Main Berlin versus München Berlin
Die Einführung in die Unterrichtssequenz bestand aus einer kurzen Videosequenz mit einem Rollenspiel zwischen Anna und Eva (Epp, 2013):
Anna aus München und Eva aus Frankfurt möchten (im Video) ein paar Tage in Berlin verbringen und suchen jeweils am Ticketautomaten der DB nach einem Zugticket. Annas Zugticket kostet 135 €, Evas 118 €.
Diese Geschichte war ein guter Einstieg in das Thema.1 Hier stoppte das Video und die Schülerinnen und Schüler wurden aufgefordert, das Gesehene zu beschreiben. Fin bemerkte sofort: „Das kann doch gar nicht sein! Die Strecke MünchenBerlin ist doch viel länger als FrankfurtBerlin. Und trotzdem zahlt Anna nur ein bisschen mehr als Eva? Daraus entwickelte sich ein reges Schülergespräch über verschiedene Zugkategorien bis hin zum Unterschied zwischen 1. und 2. Klasse und eventuellen Aufpreisen für Reservierungen.
Dieser Einstiegsimpuls reichte aus, um die Lernenden ohne explizite Ankündigung für das Thema zu begeistern. Die beschriebene Situation beim Fahrkartenkauf führte zu einem kognitiven Konflikt. Die Schülerinnen und Schüler diskutierten als „Bahnexperten eigenständig über Gründe für den nur marginalen Preisunterschied bei der unterschiedlichen Streckenlänge, die mithilfe von GoogleMaps unterstützend visualisiert wurde.
An dieser Stelle sei angemerkt, dass die Zugfahrt von München nach Berlin über Frankfurt eine damals durchaus gängige Verbindung war. Diese Zugverbindung wurde hier bewusst gewählt, um den „unfairen Eindruck zu verstärken. Da es mittlerweile die neue Schnellfahrstrecke BerlinMünchen gibt, könnte man als Alternative im Unterricht betonen, dass Anna bewusst über Frankfurt fährt, um den Rest der Strecke gemeinsam mit Eva zu fahren.
An die ausgiebige Diskussionsrunde der Schülerinnen und Schüler schloss sich die eigentliche Frage nach der Preisgestaltung an: Am Ende des Videos wunderten sich Anna und Eva, genauso wie die Schülerinnen und Schüler, über die „komischen Ticketpreise und fragten sich: „Wie kommen den nun die Preise der DB zustande? Genau dieser Frage sollten die Lernenden nun auf den Grund gehen. Folgender zeitlicher Rahmen wurde dabei mit den Schülerinnen und Schülern besprochen:
Zeitrahmen
1. Stunde: Einführung in das Thema und Erstellen eines Arbeitsplans
2./3. Stunde: Umsetzen des Arbeitsplans/Recherchearbeit im PC-Raum (auch als Hausaufgabe denkbar)
4. Stunde: Erstellen eines Posters
5. Stunde: Poster vorstellen (Galeriegang)
Ein Arbeitsplan entsteht
Die Schülerinnen und Schüler sollten in Vierergruppen arbeiten. (Bei dieser Aufgabe sind sowohl homogene als auch heterogene Gruppeneinteilungen denkbar, zumal auf verschiedenen Niveaustufen gearbeitet werden kann.)
Um sich der Frage schrittweise zu nähern und den Arbeitsprozess in ein sinnvolles Zwischenziel münden zu lassen, erstellten die Gruppen zunächst einen Arbeitsplan, im Sinne von „Wer macht wann, was, wo. Dies ist insbesondere mit Blick auf die Recherchearbeit sinnvoll, die in der nächsten Stunde im PC-Raum geschehen soll, um dort ein fokussiertes und effizientes Arbeiten anzubahnen. Die Schülerinnen und Schüler hatten freie Hand zu überlegen, welche Faktoren sie zur Beantwortung der Frage untersuchen möchten (z.B. Abb.1 ). In dieser sehr offen gestalteten Einführungsphase standen gestufte Hilfekarten mit sinnstiftenden, den Arbeitsprozess anregenden Fragen zur Verfügung (Abb. 2 ).
Die größte Schwierigkeit...

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