5. – 13. Schuljahr

Regina Bruder, Jürgen Roth

Welche Methode passt?

Passung von Methoden zu Unterrichtszielen in typischen Lehr-Lern-Situationen

Methoden sind immer „Mittel zum Zweck und den Unterrichtszielen und -inhalten untergeordnet. In der Unterrichtsvorbereitung helfen Kriterien, um sich mit Blick auf die ausgewählte Lehr-Lern-Situation begründet für einzelne Methoden mit ihren jeweils spezifischen Schüleraktivitäten zu entscheiden.

Für eine konkrete Unterrichtssituation geht es bei der Wahl einer Methode um die Frage, welche Schüleraktivitäten wie ausgelöst bzw. organisiert werden sollen. Aus Schülersicht sind Unterrichtsmethoden oft Maßnahmen, die ihre eigenen Handlungsspielräume im Unterricht ausweiten, beschneiden oder gestalten. Folgende Situationen zeigen, wie unterschiedlich Perspektiven auf und Erwartungen an grundsätzliche Vorgehensweisen und spezielle Methoden und Organisationsformen des Unterrichts sein können:
Aus der Praxis: Anfragen an die Methodenwahl
1. Oberstufenschülerin: „Können wir auch mal wieder ‚richtigen Unterricht machen? Wir hatten heute schon zweimal Stationenlernen …“
2. Gibt es für eine konkrete Lehr- bzw. Lernsituation eine „beste methodische Gestaltung?
3. Die Bildungsstandards enthalten Formulierungen zu Zielen und fachlichen Inhalten, aber nicht zu Unterrichtsmethoden. Ist die Methodenwahl wirklich beliebig?
Methodische Makro- und Mikroebene
Für eine nachhaltige Unterrichtsgestaltung müssen nach dem Festlegen der angestrebten Ziele und der Auswahl der Inhalte methodische Entscheidungen auf verschiedenen Ebenen gefällt werden:
1. zunächst zum grundsätzlichen Vorgehen (Makroebene), beispielsweise beim Einstieg in ein neues Thema. Möchte ich induktiv, deduktiv, problemorientiert, entdeckend, anwendungsbezogen, innermathematisch, experimentell, differenzierend vorgehen?
2. anschließend zu speziellen methodischen Herangehensweisen (Mikroebene). Soll der Einstieg mit einem Stationenlernen erfolgen? Dies bietet sich an, wenn Lösungsansätze gesammelt, anschließend im Unterrichtsgespräch gebündelt, expliziert und reflektiert werden sollen. Wenn beim Problemlösenlernen das Ziel ist, heuristische Strategien herauszuarbeiten, bietet sich beispielsweise eine Klassendiskussion zu präsentierten Schülerlösungen oder die Platzdeckchen-Methode bzw. Placemate an.
Ob eine bestimmte Methode auf der Mikroebene gut zu den Zielen und dem grundsätzlichen Zugang passt, hängt wesentlich davon ab, welche Schüleraktivitäten geeignet sein können, die jeweils gesteckten Ziele, nämlich intelligentes Wissen und Können sowie Einstellungen zu erreichen. Während sich die grundsätzlichen Entscheidungen auf der Makroebene lerntheoretisch oft gut begründen lassen, gibt es für die Organisationsformen und Vorgehensweisen auf der Mikroebene häufig viele Möglichkeiten, die eher gleichberechtigt nebeneinander zur Auswahl stehen. Bei der Methodenwahl (Kasten 1) gilt es also, folgende Frage zu beantworten:
Welche grundsätzliche Vorgehensweise und welche speziellen Methoden und Organisationsformen passen für meine aktuelle Zielstellung, um unter den gegebenen Rahmenbedingungen geeignete Schüler-aktivitäten zu initiieren und zu begleiten?
Methode: der zielführende Weg
Methode: der zielführende Weg
Das Wort „Methode kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie der „zielführende Weg. Methoden organisieren und strukturieren den Unterricht in der Regel transparent und effizient. Sie sind Handlungsstütze und ermöglichen es, vorgegebene oder selbst gesteckte Ziele zu erreichen. Dabei stehen sie in Wechselwirkung mit den Aufgaben und Medien.
Phasen einer Unterrichtsstunde
Eine Unterrichtsstunde besteht in der Regel aus vier Phasen mit typischen Funktionen:
1. In der Einstiegsphase steht das divergente Erkunden, Entdecken und Erfinden mathematischer Inhalte im Vordergrund. Methoden sollten, bei klarer Zielbeschreibung durch die Lehrkraft, Freiräume für die individuelle Auseinandersetzung mit den...

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