5. – 13. Schuljahr

CHRISTIAN FAHSE

Halb richtig was tun?

Zur Moderatorenrolle von Lehrpersonen

Kennen Sie das auch? Die Präsentation der Gruppe war nicht falsch, aber eben leider auch nur halb richtig. Hätte ich in der Gruppenarbeit doch mehr helfen und durch Tipps oder wenigstens eine hochgezogene Augenbraue die Lernenden auf die Spur bringen sollen?
Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht denn Halbrichtiges ist immerhin zur Hälfte richtig. Und aus Fehlern lernen kann durchaus sehr nachhaltig sein. Wie kann es nach einer „durchwachsenen Präsentation weitergehen? Oder allgemeiner: Wie kann ich mit halb richtigen oder unvollständigen Beiträgen konstruktiv umgehen? Hier wird dazu ein vierphasiges Vorgehen vorgeschlagen:
1. Phase: Taxieren, ob das durch eine Schülerbemerkung oder einen Fehler in der Präsentation aufgetretene Problem erstens lohnend und zweitens für die Lerngruppe zu bewältigen ist. Falls ja, folgt die
2. Phase: Moderation eines Schülergesprächs ohne inhaltliches Helfen (diese absolute Zurückhaltung fällt oft schwer).
3. Phase: Falls das Problem in Phase 2 nicht gelöst wurde, folgt eine deutlich abgetrennte Phase, in der durch möglichst geringe und sich dann steigernde inhaltliche Impulse der Problemlösungsprozess unterstützt wird.
4. Phase: Schließlich können in einem Lehrvortrag noch bestehende Unklarheiten beseitigt, Formales und neue Fachbegriffe eingeführt sowie eine Rückmeldung zum Problemlöseprozess gegeben werden.
Halb richtige Schülerbeiträge und nun?
Zunächst: Halb richtige Schülerbeiträge sind völlig normal und kommen in einem schüleraktivierenden Unterricht täglich vor, etwa
Anna: „690 ist nicht durch 7 teilbar, weil 90 nicht durch 7 teilbar ist oder
Britta: „Um die Gleichung zu lösen, habe ich x2 + 2x = 7 erst einmal zu x + 2 = 7/x umgeformt.
Wie die Beispiele zeigen, hat „Halbrichtiges viele Spielarten: Im ersten Fall ist zwar 690 tatsächlich nicht durch 7 teilbar, aber die Begründung ist falsch. Im zweiten unterlief Britta (für x ≠ 0) zwar kein algebraischer Fehler. Dafür ist hier die Strategie fehlerhaft: Diese korrekt ausgeführte Umformung führt in die Sackgasse. Richtig gerechnet und doch falsch für die meisten Lernenden ist dies erst einmal gewöhnungsbedürftig.
Diese Überlegungen sind bereits Teil der ersten Phase, der Analyse der Aussage. Gar nicht so einfach, da man schnell reagieren muss und die getroffene Entscheidung die nächste Unterrichtsphase bestimmt eine fachliche und fachdidaktische Herausforderung.
Wie geht es dann im Unterrichtsgespräch weiter? Eine erste, sehr offene Reaktion könnte sein: „Alle einverstanden? dabei sollte man viel Zeit zum Denken geben. Wichtig ist es mir dabei, ab und zu auch bei vollkommen richtigen Beiträgen im gleichen Tonfall zu fragen wie bei falschen oder halb richtigen. Denn die Lernenden sollten auch ohne meine Anleitung eine kritische Haltung einnehmen dabei werden sie auch immer wieder Richtiges prüfen, nämlich dann, wenn sie richtig vermutet haben.
Etwas stärker ist der Impuls: „Seht noch einmal an diese Stelle. Mit der Zeit fruchten solche offenen Hinweise immer besser, wenn es die Schülerinnen und Schüler gewohnt sind, kritisch zu denken und Halbrichtiges zu analysieren. Dann kann man zu dem noch offeneren „Kommentiere übergehen, wobei zusätzlich z.B. die Verständlichkeit oder die Kürze des Lösungsweges gewürdigt und weiterführende Fragen aufgeworfen werden können.
Mir ist es auch wichtig, bei halb richtigen Aussagen den Fokus auf den Anteil an Richtigem zu legen. Zum Beispiel im Fall von Brittas Aussage „Britta hatte mit einer Äquivalenzumformung die richtige Idee. Und Lea hat dann herausgestellt, dass die Umformung dazu führen sollte, dass x alleine steht.
Wie sieht das Prinzip der minimalen Hilfe konkret im Beispiel a) von Anna aus? Nach einem ersten „Was meint ihr? oder einem fragenden Blick könnte auf das „weil in der Aussage hingewiesen werden. Subtiler und damit noch weniger inhaltlich vorwegnehmend...

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