5. – 13. Schuljahr

ROLF OECHSLER, HERMANN STEFFEN

Groovy? Nein: GruWi!

Grundwissen-Tests als methodisches Konzept

Es ist Dienstag, 10 Uhr, die 3. Stunde beginnt: Ich komme in den Klassenraum meiner Klasse 7bG und kündige an: „It´s GruWi time! Es spielt sich dasselbe Ritual wie jede Woche ab: Die Schülerinnen und Schüler holen ihre GruWi-Hefte im DIN-A6-Format hervor und tragen auf einer leeren Seite die Nummern 1 bis 10 unterei-nander ein. Währenddessen schreibe ich das aktuelle Datum sichtbar an und gehe dann hinter die Tafel, um die Aufgaben 610 zu notieren, was zunächst einmal unsichtbar bleibt. Nun kann der GruWi-Test beginnen.
Ich lese nacheinander fünf Kopfrechen-Aufgaben vor, die auf den Ziffern bzw. Zahlen des Datums basieren. Die Schülerinnen und Schüler schauen deshalb immer wieder an die Tafel, während sie rechnen oder überlegen. Sie dürfen aber nur die Endergebnisse notieren, keine Rechenschritte oder Zwischenergebnisse, das ist Teil der GruWi-Regeln. Danach wird der vorbereitete Tafelanschrieb aufgedeckt, dort stehen dann die Aufgaben 6 – 10 für alle sichtbar. Nach ca. 10 Minuten ist der Test beendet.
Nicht alle Schülerinnen und Schüler geben ihre Hefte ab. Pro Halbjahr müssen insgesamt nur fünf Tests abgegeben werden wann, das entscheidet jeder selbst. Dann beginnt die Besprechungsphase. Ich wiederhole die mündlich gestellten Aufgaben, die Lernenden nennen ihre Ergebnisse.
Danach sind die schriftlichen Aufgaben an der Tafel an der Reihe: Wer möchte nach vorn kommen, um sie zu lösen? Von nun an übernimmt die Schülerin vorn die Regie. Sie stellt ihre Lösungen vor und erklärt, wie sie vorgegangen ist. Zu einigen Aufgaben entwickelt sich ein reger Austausch: vor allem dann, wenn mit einer Lösung nicht alle einverstanden sind, aber auch bei unterschiedlichen Bearbeitungswegen. Manchmal muss noch geklärt werden, wie eine Aufgabe gemeint ist. Erst wenn die Klasse der Meinung ist, alle Aufgaben richtig gelöst und verstanden zu haben, ist auch diese Phase des typischen GruWi-Tages beendet.
Warum machen wir das?
Nicht nur wir machen immer wieder die Erfahrung, dass selbst in sehr guten Klassen oder Oberstufenkursen für einfachste Rechnungen der Taschenrechner bemüht wird, dass einige Schülerinnen und Schüler nicht in der Lage sind, etwa 20 % von 70 € im Kopf auszurechnen. Ähnliche Beobachtungen gibt es auch im Hochschulbereich: So beklagt etwa der Leiter des Mathematikzentrums der Goethe-Universität in Frankfurt in einem FAZ-Artikel das „miese Theoriewissen der Erstsemester, aber auch das nachlassende „handwerkliche Können der Studierenden, vor allem in Bezug auf das Kopfrechnen: „Vor meinen Augen hat mal ein Student ‚acht durch zwei mit dem Taschenrechner gerechnet. (Zoske 2016). Angesichts solcher Defizite im Bereich der mathematischen Grundfertigkeiten und -kenntnisse ist der Wunsch nach geeigneten schulischen Unterstützungsmaßnahmen nur allzu verständlich. Die eingangs beschriebene, vielfach bewährte Methode der GruWi-Tests (Kasten 1) stellt eine konzeptionelle Variante der „vermischten Kopfübungen dar (Bruder 2008).
GruWi-Tests als Unterrichskonzept
GruWi-Tests als Unterrichskonzept
Ablauf der GruWi-Tests
  • Lernende bereiten Lösungsseite vor: Datum, Zeilen 1 – 10 nummerieren;
  • Lehrperson stellt mündlich fünf Kopfrechenaufgaben (nur das Endergebnis ist zu notieren);
  • Lehrperson präsentiert fünf (gleichzeitig) schriftlich gestellte Aufgaben an der Tafel (nur das Endergebnis ist zu notieren);
  • Freiwillige Abgabe des Tests (pro Halbjahr gibt jeder fünf Tests ab);
  • Ergebniskontrolle und Besprechung im Plenum
Grundwissen-Tests eignen sich ...
  • zur Wiederholung mathematischen Grundwissens;
  • zur Förderung der Selbsteinschätzung, des eigenständigen Lernens und des selbstverantwortlichen Handelns;
  • zur Ritualisierung und Rhythmisierung des Unterrichts;
  • zur regelmäßigen Leistungsbewertung und -kontrolle.
Die wesentlichen methodischen und unterrichtspraktischen Aspekte der GruWi-Tests werden in den...

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