1. – 5. Schuljahr

Hedwig Gasteiger, Julia Bruns

Gemeinsame Arbeitsphasen produktiv nutzen

Verschiedene Methoden kooperativen Lernens

Bereits in den ersten Schuljahren können Kinder flexibel und produktiv mit den unterschiedlichsten Unterrichtsmethoden umgehen auch wenn dies auf den ersten Blick schwer vorstellbar sein mag. Ist die gewählte Methode ein passendes „Mittel zum Zweck, das heißt, unterstützt sie organisch den Lernprozess zur Erreichung des anvisierten Ziels, so können produktive Arbeitsphasen entstehen, ohne dass Kinder explizit in die jeweiligen Methoden eingeführt werden müssen. Mathematikunterricht, der Lernen als aktiven und konstruktiven Prozess ernst nimmt und neben Inhalten auch die Förderung prozessbezogener Kompetenzen zum Ziel hat und so wird er in der Grundschule verstanden (s. ausführlich Hasemann/Gasteiger 2014) kommt ohne Methoden kooperativen Lernens nicht aus.
Zum Mathematikunterricht in der Grundschule
Mathematikunterricht ist deutlich mehr als rechnen. Es geht bereits in der Grundschule darum, Inhalte zu erwerben, zu vernetzen und auch kritisch zu hinterfragen, zu argumentieren, sich mit richtigen und falschen Aussagen auseinanderzusetzen, Probleme kreativ und strategisch zu lösen sowie die eigenen Vorgehensweisen nachvollziehbar darzustellen. Wichtig ist es deshalb,
  • zahlreiche Gelegenheiten zum Entdecken von Strukturen und Zusammenhängen zu schaffen,
  • Gesprächen über Mathematik ausreichend Zeit und Raum zu geben und
  • individuelle Denk- und Lösungswege herauszufordern.
Für die konkrete Unterrichtsgestaltung heißt das, geeignete Aufgabenstellungen bereitzustellen, die Entdeckungen oder unterschiedliche Herangehensweisen ermöglichen. Es heißt aber auch, passende Methoden auszuwählen, die z.B. dem Austausch über Lösungsideen oder Rechenwege mit anderen Schülerinnen und Schülern nicht nur Raum geben, sondern ihn geradezu provozieren.
Im Folgenden stellen wir exem-plarisch drei Methoden mit ihren spezifischen Merkmalen anhand konkreter Unterrichtsbeispiele vor. Denn die Methode ist nur ein kleiner Baustein in der Unterrichtsgestaltung; gelingen kann Unterricht nur im gut abgestimmten Zusammenspiel von Unterrichtsgegenstand, Methode und Lerngruppe.
Vielfalt nutzen: Ich-Du-Wir-Methode
Die zentralen Herausforderungen der Mathematik sind, Muster und Strukturen zu analysieren, Zusammenhänge zu entdecken, diese zu mathematisieren und sie allgemein nachvollziehbar zu kommunizieren (ausführlich z.B. in Wittmann/Müller 2012). Zusammenhänge können von den Kindern jedoch erst entdeckt werden, wenn eine gewisse Anzahl an Beispielen (Eigenproduktionen) vorhanden ist. Dann können Vergleiche angestellt und Gemeinsamkeiten oder Unterschiede offensichtlich werden.
Hierfür eignet sich die sogenannte Ich-Du-Wir-Methode (auch als Think-Pair-Share bekannt, die sich am dialogischen Lernen orientiert, Gallin/Ruf 1998). Die Ich-Du-Wir-Methode unterstützt die Aktivierung des eigenen Wissens und Könnens, indem die Kinder zunächst allein an der Aufgabe arbeiten (Ich-Phase).
Die Du-Phase stärkt einerseits die Kommunikationskompetenz, andererseits bietet der Austausch die Möglichkeit, die eigenen Ergebnisse und Gedankengänge zu überprüfen. Die Wir-Phase gibt die Möglichkeit, die Ergebnisse zu systematisieren, und rückt das in den Mittelpunkt, was verallgemeinert werden kann.
Beispiel: Zahlenmauer in Klasse 2
(Material: Ziffernkärtchen, Plakate, Vorlage Zahlenmauern, Klebstoff)
Die Kinder sollen entdecken, dass bei Zahlenmauern mit drei identischen Grundsteinen verschiedene Zielsteine entstehen können und dass der Zielstein am größten wird, wenn der größte Grundstein in der Mitte steht. Die Kinder starten mit der Ich-Phase, einer Einzelarbeit, mit folgendem Arbeitsauftrag.
Wähle mit dem Partner drei Zahlenkärtchen. Benutze sie als Grundsteine und finde damit Zahlenmauern. Schreibe sie auf.
In der Ich-Phase steht der eigene Lösungsweg im Mittelpunkt. Die Aufgabe wird so gestellt, dass jedes...

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