5. – 13. Schuljahr

Ulrich Kortenkamp, andrea Hoffkamp

Mathe in der Hosentasche

Keine Angst vor Apps und Co. im Unterricht

Das Försterdreieck ist ein tolles Gerät, um die Höhe eines Baumes zu ermitteln. Gleichzeitig bietet es eine wunderbare Gelegenheit, Mathematik zu betreiben. Und: Was haben Lernende fast immer dabei, sogar im Wald? Sicher kein Försterdreieck, sondern das Handy mit entsprechender App. Und wie reagieren wir als Lehrende auf die Auswirkungen der Digitalisierung der Gesellschaft?

Es ist nicht nur für Lernende selbstverständlich, das Smartphone und die installierten Apps im Privatleben zu nutzen. So manch ein Morgen beginnt mit der Wecker-App. Beim Frühstück informiert die News-App oder das Radio, welches ebenfalls über das Smartphone empfangen wird, über die Nachrichten. Den Zeitpunkt zum Verlassen des Hauses liefert die App der Verkehrsbetriebe mit dieser kann auch gleich das Ticket gelöst werden oder der digitale Staumelder, der auch die Route entsprechend anpasst. Durch die Wetter-App wissen wir, wann der Schirm mitgenommen werden sollte. Wo kauft man ein? Die Preisvergleichs-App weiß Bescheid. Mit Freunden weggehen? Die Chat-App hilft bei der Terminabsprache. Restaurantsuche per App? Oder doch lieber Kino? Es informiert eine App. Oder gemütlich zu Hause? Per Mediathek-App, und das Essen gibt es per Liefer-App oder selbst zubereitet, nach der Rezepte-App. Diese Auflistung scheint extrem? Für viele ist es der nicht hinterfragte Alltag.
Beobachten Sie sich selbst einen Tag lang: Welche Apps verwenden Sie? Wie viele sind das? Wie lange nutzen Sie jeweils eine App? Diese Beobachtungen können direkt einen Einblick in das dahintersteckende Erfolgsmodell von Apps liefern: Manche Apps werden nur ganz kurz für einen speziellen Zweck genutzt, andere werden immer wieder oder für längere Zeit verwendet. Es ist einfach, zwischen Apps zu wechseln. Die Wettervorhersage zwischendurch liefert ein flottes Wischen von oben nach unten, in die Mails schaut man mal eben durch Tippen auf das passende Icon. Eine neue App, die man empfohlen bekommt, ist schnell installiert. Apps, die man nicht mehr braucht, sind genauso rasch entfernt oder werden irgendwo liegen gelassen, falls man sie noch einmal nutzen möchte.
Apps nehmen den Smartphones und damit den Computern das Komplizierte. Darum sind sie gerade im Privatleben so erfolgreich: Man kann die Unterstützung des externen „Zusatzgehirns mit Kommunikationsmöglichkeiten und Messgeräten einfach in Anspruch nehmen, ohne sich auf die ganzen Anstrengungen, die Computer bisher mit sich brachten, einlassen zu müssen. Auch vor 20 Jahren konnte man schon die meisten der hier genannten Aktivitäten mit einem „PC umsetzen das war aber aufwendig und nur etwas für Menschen, die sich ohnehin gern mit Technik beschäftigt haben. Apps machen Technologie massentauglich, weil sie einfach funktionieren. Auch in der Schule, ohne große Hürden und inhaltlich bereichernd.
Allgemein oder speziell für Mathe?
Natürlich kann man viele Apps, die man selbst oder die Lernenden ohnehin einsetzen, im Unterricht nutzen. Etwas notieren, ein Foto machen oder einen Film drehen, einen Fachbegriff nachschlagen das liegt nahe und bedarf keiner weiteren Erläuterung.
Das geht immer!?
Selbstverständlich muss dafür überhaupt erst einmal ein App-fähiges Gerät, also ein Smartphone oder ein Tablet, in der Schule verfügbar sein. Diese Verfügbarkeit scheitert eher selten an den Geräten, denn laut JIM-Studie 2018 besitzen mit 97% praktisch alle Jugendlichen in Deutschland ein Smartphone und mehr als ein Viertel ein Tablet. Vielmehr sind es Handy-Verbote an Schulen oder fehlendes WLAN (gerade am Ende des Monats, wenn die Datenvolumen aufgebraucht sind), die den Einsatz erschweren.
Noch mehr am Handy ist das gut?
Natürlich kann man einwenden, dass Kinder und Jugendliche viel zu viel mit dem Handy beschäftigt sind. Sollte man dann in der Schule nicht gegensteuern und das Handy geradezu meiden und...

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