7. – 9. Schuljahr

KARL CHARON

Fördern durch systematische Unterrichtsentwicklung

Proportionalität als Konzept entwickeln und dabei das eigene Handeln im Unterricht reflektieren

Seit dem Jahr 2016 ist im Saarland die sogenannte Inklusionsverordnung in Kraft, nach der wir „für alle Schülerinnen und Schüler unabhängig von ihren Fähigkeiten, Fertigkeiten, Beeinträchtigungen oder Behinderungen einen grundsätzlich gleichberechtigten und ungehinderten Zugang zu den schulischen Bildungsangeboten (MBK Saarland 2016) ermöglichen sollen.
Im selben Jahr habe ich eine fünfte Klasse in Mathematik übernommen und auch die Aufgabe, in unserer sechszügigen Gemeinschaftsschule für das Fach Mathematik die Umsetzung der Verordnung zu organisieren. Dabei richtete sich mein Augenmerk besonders darauf, wie Förderpläne fachspezifisch zu erstellen sind und wie Lernangebote und Leistungsüberprüfungen gestaltet werden können. Schnell wurde mir klar, dass ich dazu mein eigenes Handeln auf pädagogisch-methodischer und fachdidaktischer Ebene unter die Lupe nehmen muss.
Am Beispiel des Themas Proportionalität soll hier deutlich werden, wie ich im Unterricht Förderung plane und umsetze. und wie durch einen systematischen Blick auf diese Tätigkeit der eigene Lernprozess im Bereich Fördern reflektiert werden kann.
Inklusiven Unterricht invier Etappen konzipieren
Im Alltag betrachte ich meinen Unterricht nur selten in einem größeren Sinnzusammenhang. Zu dringend sind die alltäglichen Details: Das nächste Arbeitsblatt muss heute noch fertig werden, wie bringe ich einen bestimmten Lehrplaninhalt noch unter und dann ist in zwei Wochen ja schon die nächste Leistungsüberprüfung Es schien mir erforderlich, die Planung inklusiven Unterrichts systematischer zu betrachten und Zusammenhänge gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen zu reflektieren.1
Abb. 1 zeigt unser Modell zur Unterrichtsentwicklung. Im Kontext der Inklusion ergeben sich für jede der dort genannten vier Phasen spezifische Möglichkeiten, die bestehenden Abläufe und Prozesse zu hinterfragen und ggf. neu zu gestalten.
Eine Lernumgebung zur Proportionalität
Steuern und Loslassen
Am Anfang eines Lernprozesses steht zunächst eine Steuerung, denn ich muss gemäß einem Stoffverteilungsplan auf Basis des gültigen Lehrplans entscheiden, welche Inhalte und Handlungsfelder in der kommenden Einheit in welcher Reihenfolge, unter welchen Schwerpunktsetzungen und mit welchen Vertiefungen behandelt werden sollen.
„Proportionale Zuordnungen finden sich im saarländischen Lehrplan für die Klassenstufen 7 und 8 der Gemeinschaftsschulen im Themenfeld Zuordnungen und Funktionen (Ministerium für Bildung und Kultur Saarland 2017, vgl. Abb. 2 ). Auch wenn in den Kompetenzschwerpunkten proportionale und antiproportionale Zusammenhänge in einem Atemzug genannt werden, entscheide ich mich (in Absprache mit meinen Kolleginnen und Kollegen) dazu, hier einen Schnitt anzusetzen und in den kommenden Wochen an einem Verständnis für proportionale Zusammenhänge zu arbeiten. Die antiproportionalen Zuordnungen behandeln wir erst mit zeitlichem Abstand im zweiten Halbjahr. Meiner Meinung nach ist es für alle Lernenden in meiner Klasse gut, zunächst den Begriff „proportional zu verinnerlichen, bevor „antiproportionale und „nicht-proportionale Zusammenhänge intensiv, auch rechnerisch, untersucht werden.
Bei der Art und Weise, wie ich nun methodisch das Thema „proportionale Zuordnungen im Unterricht umsetzen möchte, vollzieht sich ein erster Schritt des Loslassens: Ich entscheide mich für die Methode Wochenplan (Kasten 1, s. Vaupel 1996). Sie eröffnet mir die Möglichkeit zu weniger zentraler Instruktion und mehr individueller Zuwendung.
Die erste Aufgabe im Wochenplan (Arbeitsblatt 1 ) besitzt ein gewisses Aktivierungspotenzial und weist eine niedrige Eingangsschwelle auf. Motivierend wirken das Rezept und vermutlich auch mein Versprechen, am Ende der Einheit gemeinsam zu backen. Für alle erreichbare Lösungen bieten...

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