9. – 11. Schuljahr

Kathrin Richter/Monika Hüther

Was ist da faul? Wie uns Darstellungen beeinflussen können

Ein Gruppenpuzzle zum selbstständigen und kooperativen Lernen

Das Gruppenpuzzle ist eine Methode kooperativen Lernens, die unabhängig von bestehenden Lernteams im Unterricht eingesetzt werden kann. Sie dient dazu, die Schülerinnen und Schüler in hohem Maße selbstständig und eigenverantwortlich arbeiten zu lassen: Ausgewählte Aspekte eines Inhalts werden zunächst arbeitsteilig in Kleingruppen, den so genannten Expertengruppen erschlossen (1. Phase) und anschließend in einer neuen Zusammenstellung der Gruppen an alle weitergegeben (2. Phase). (Eine Variante dieser Form finden Sie in Kasten 1)
Kasten 1: Gruppenpuzzle Variante mit drei Phasen
Kasten 1: Gruppenpuzzle Variante mit drei Phasen
Kooperativer Unterricht kann beispielsweise in einer Form gestaltet werden, die mit Gruppenpuzzle, Expertentraining oder nach dem engl. Wort für „Puzzlespiel auch „Jigsaw bezeichnet wird. Besonders geeignet ist diese Form für die Erarbeitung eines Themas mit mehreren Aspekten oder eines Auftrages, zu dessen Lösung umfangreiches Wissen notwendig ist. Neben der im Beitrag beschriebenen Form des Gruppenpuzzles in 2 Phasen ist auch eine Variante mit 3 Phasen denkbar.
Dabei werden Gruppen von 3 – 6 Schülern gebildet die so genannten Stammgruppen. Bestehende Lernteams können auch als Stammgruppen aufgefasst werden. Die Stammgruppen erhalten einen Auftrag, zu dessen Lösung umfangreiches zusätzliches Wissen erarbeitet werden muss. Dazu setzen sich die Gruppen in so genannten Expertengruppen neu zusammen. In den Expertengruppen wird jeweils ein Aspekt des Themas bearbeitet. Alle Schüler sollen anschließend in der Lage sein, den Lösungsweg zu beschreiben und die Ergebnisse vorzustellen. Die Lehrkraft gibt in dieser Phase Hilfen, bietet ggfs. Lösungen zur Selbstkontrolle an und beobachtet das gegenseitige Erläutern in den einzelnen Gruppen.
Im Anschluss wechseln die „Experten wieder in ihre alten Stammgruppen und informieren über die Ergebnisse ihrer Arbeit. Gemeinsam wird nun der ursprüngliche Auftrag gelöst. (Abb. 1 zeigt die wechselnden Gruppenkonstellationen)
Variante zu dem im Beitrag beschriebenen Unterrichtsverlauf bei bestehenden Lernteams (vorgeschaltete 1. Phase):
1. Phase: Auftrag an die Lernteams (Stammgruppen): Erarbeitet eine Checkliste, mit deren Hilfe man überprüfen kann, ob es sich bei einer
grafischen Darstellung um eine „gute Darstellung oder um eine „Manipulation handelt. Dazu teilt ihr euch auf verschiedene „Expertentische auf.
2. Phase: Es werden Expertengruppen gebildet, die Materialien ausgegeben und gemeinsam bearbeitet. Ergebnis ist ein Poster für den Museumsgang.
3. Phase: Die Schüler finden sich wieder in ihren Stammgruppen zusammen. Sie stellen sich in dem Museumsrundgang die jeweilige Grafik und die Ergebnisse vor und erarbeiten die bereits erwähnte Checkliste. Nun können in den Lernteams weiterführende Aufgaben bearbeitet werden.
Da jeder die Lösung in der neuen Gruppe vorstellen wird, ist die Motivation, sich über den Lösungsweg Gedanken zu machen, hoch. Den Lernenden ist bewusst, dass sie dabei auch Verantwortung für den Lernprozess ihrer Mitschüler haben.
Die selbstständig in Gruppen arbeitenden Schülerinnen und Schüler können sich gegenseitig unterstützen und auftretende Probleme gemeinsam lösen. Lernen findet hier nicht als Ergebnis einer Informationsweitergabe durch die Lehrperson statt. Es beruht vielmehr auf der aktiven Organisation der eigenen Erfahrungswelt ganz im Sinne der aktuellen didaktischen Diskussion, in der weitgehend Konsens darüber besteht, dass es grundsätzlich keine Methode der automatisch gelingenden Übertragung von verstehendem Wissen gibt, die Lehrende auch nur einigermaßen erfolgssicher anwenden könnten (vgl. Hefendehl-Hebeker, 2003).
Unser Gruppenpuzzle sensibilisiert dafür, grafische Darstellungen und deren Interpretationen genau zu betrachten und...

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