5. – 13. Schuljahr

Ralph Hepp

Punkte sammeln Noten geben

Bewertung von Schülerleistungen bei kooperativen Lernformen

Beurteilung und Bewertung, noch dazu von Gruppenprozessen, ist kein leichtes Thema. Sollten sie überhaupt in die Notengebung einfließen? Viele Lehrkräfte sehen zu Recht Probleme, wenn es darum geht, Einzelnoten für eine gemeinsam erbrachte Leistung zu erteilen. Der Sinn kooperativer Lernformen liegt aber gerade darin, gemeinsam fachliche und soziale Ziele zu erreichen und sich dabei gegenseitig zu unterstützen.
Dieser Widerspruch zwischen den Forderungen nach einer effizienten und möglichst objektiven Leistungsbewertung des Einzelnen und der bewussten Initiierung von in Teamarbeit erbrachten Leistungen kann nicht mit den herkömmlichen Instrumentarien der Bewertung gelöst werden. Würde man das übliche Bewertungssystem von Einzelleistungen kritiklos auch auf kooperatives Lernen übertragen, könnte dies nicht nur die Gruppenprozesse empfindlich stören, sondern wahrscheinlich sogar die Teambildung ganz unmöglich machen: Jeder hätte letztlich nur die eigenen Noten im Blick. Umgekehrt wird ein Teammitglied umso mehr am gemeinsamen Erfolg interessiert sein, wenn sich dadurch auch eine gute Einzelbewertung ergibt. Kooperatives Lernen zu entwickeln, bedeutet also auch, nach neuen, handhabbaren Möglichkeiten der Beurteilung und Bewertung zu suchen.
Ansätze zur Bewertung von Gruppenleistungen
Beim Kooperativen Lernen nehmen neben der Lehrperson auch die Schülerinnen und Schüler eine aktive Rolle beim Bewerten ein. Die Selbsteinschätzung der Lernenden sowie die Beurteilung durch die Gruppe wird regelmäßig eingefordert. Allen Vorschlägen der Beurteilung und Bewertung von in Gruppen erbrachten Leistungen ist gemeinsam, dass
  • die zu bewertenden Leistungen sich in den Zielen und Inhalten des jeweiligen Lehrplanes wieder finden (Rechtsgrundlage),
  • sie ergänzend zu den herkömmlichen individuellen Noten wirksam werden (Additum),
  • jede Unterrichtssituation in ihrer Spezifik Berücksichtigung findet und die sich daraus ergebenden Ziele und Bewertungskriterien bereits zu Beginn der Lernphase allen Schülerinnen und Schülern bekannt sind, im Idealfall sogar gemeinsam mit den Lernenden erarbeitet werden (Transparenz),
  • die Leistungsbewertung des Einzelnen in einer Gruppe ein Prozess ist, der hinsichtlich der Gewichtung einzelner Kriterien flexibel der konkreten Situation angepasst werden kann (Flexibilität),
  • im Prozess der Notenfindung Phasen der Selbst-, aber auch der Fremdeinschätzung durch die Gruppenmitglieder von Bedeutung sind (Dialog),
  • die erteilten Noten mit ihrer Begründung offen gelegt werden (Überprüfbarkeit).
In den Lehrplänen sind in der Regel im allgemeinen Teil Hinweise auf eine angemessene Bewertung aller Kompetenzbereiche, insbesondere auch der Methoden-, Sozial- und Selbstkompetenz enthalten. Im Zusammenhang mit dem erworbenen mathematischen Wissen und unter der Bedingung der für Schülerinnen und Schüler, aber auch für Eltern transparenten und nachvollziehbaren Bewertung ergibt sich damit die rechtliche Legitimation, Leistungen auch in kooperativen Arbeitsformen zu beurteilen und zu bewerten.
Einstieg in die Bewertung
Wie kann man vorgehen, wenn man in Gruppen erbrachte Leistungen in die Bewertung einbeziehen möchte? Als Orientierung kann das in (ThILLM 2004) ausführlich dargestellte und erprobte Vorgehen zur Bewertung von Gruppen- und von Einzelleistungen dienen (s. Abb. 1 ).
  • Am Beginn steht die Frage, welche konkreten Ziele erreicht werden sollen und inwiefern sich die zu stellende Aufgabe für die Erarbeitung in kooperativen Lernformen eignet.
  • Können die Unterrichtsziele sinnvoll in kooperativer Form erreicht werden, formuliert man geeignete Aufträge, die einerseits das Arbeiten strukturieren und andererseits genügend Freiraum für selbstständiges und kooperatives Handeln lassen.
  • Abhängig vom Arbeitsauftrag werden Beobachtungsschwerpunkte abgeleitet (z.B. „Beteiligung der Teammitglieder an der...

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