5. – 13. Schuljahr

Ralph Hepp, Kirsten Miehe

Kooperatives Lernen

Gemeinsam Mathematik betreiben: Konzepte für einen schüleraktivierenden Unterricht

Ob Sie feste Lernteams bilden oder einzelne Elemente der Zusammenarbeit stärker in den Unterricht integrieren möchten: Kooperatives Lernen macht Mathematik als eine auf Kommunikation beruhende Wissenschaft erfahrbar. Fachliches und soziales Lernen werden dabei verknüpft.

Die Idee, Schülerinnen und Schüler in Gruppen arbeiten zu lassen, ist nicht neu. Welchen Gewinn bringt diese Arbeitsform für den Mathematikunterricht? Wie kann Gruppenarbeit gestaltet und selbstständiges Lernen gefördert werden? Beim Kooperativen Lernen (Cooperative Learning) wird die Entwicklung von der losen Gruppe zu einem „echten Lernteam angestrebt. Grundlage dieser besonderen Form von Kleingruppenunterricht ist ein Konzept methodisch durchdachter Arbeitsformen. Lernen wird in weiten Teilen als ein sozialer Prozess verstanden und durch die bewusste Gestaltung von Gruppenprozessen und Formen des Feedbacks entsprechend strukturiert.
Die Schülerinnen und Schüler erwerben im wechselseitigen Austausch Wissen und Kompetenz, es findet eine aktive Aufnahme im Gegensatz zu einer reinen Wissensübernahme statt (konstruktivistisches Lernen). Hilbert Meyer schreibt hierzu:
Als kooperatives Lernen werden Varianten von Partner- und Gruppenarbeit bezeichnet, bei denen zwei, höchstens vier bis fünf Lernende zusammenarbeiten, die gleichberechtigte Interaktionspartner sind und keine direkte Beaufsichtigung durch den Lehrer erfahren, sondern mithilfe vorbereiteter Lernmaterialien und nach präzise abgesprochenen Spielregeln selbstständig arbeiten, wobei die Lernenden abwechselnd in die Rolle eines Lehrenden und zurück in die Rolle des Lernenden wechseln.
Meyer, 2004, S. 82
Im Gegensatz zu anderen Gestaltungsvorschlägen von Unterricht ist kooperatives Lernen stets wissenschaftlich erforscht und begleitet worden. Untersuchungen über die Bedingungen erfolgreicher Gruppenarbeit fanden ebenso Eingang in das Konzept wie Erkenntnisse aus der Lernpsychologie und der Motivationsforschung. Seit 1990 wurden umfangreiche empirische Studien über die Effekte kooperativen Lernens durchgeführt. Danach gestaltet sich auf längere Sicht die Einstellung zum Lerngegenstand positiver, das soziale Klima und die Fähigkeit zum selbstständigen Arbeiten verbessern sich, die Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit erhöht sich, ebenso das Selbstwertempfinden und die Bereitschaft zur Verantwortungsübernahme. Die Lernprozesse sind schüleraktivierend und effektiv.
Johnson und Johnson (in Davidson, 1990) haben in Bezug auf das Fach Mathematik folgende Effekte kooperativen Lernens empirisch nachgewiesen: Die Schülerinnen und Schüler entwickeln meist
  • eine positive Einstellung zur Mathematik und zum jeweiligen Lerngegenstand,
  • Vertrauen in die eigene Fähigkeit, mathematisch zu denken,
  • die Bereitschaft, unterschiedliche Strategien auszuprobieren,
  • die Fähigkeit, Frustrationen zu ertragen, die aus Nicht-Wissen entstehen, und die Bereitschaft durchzuhalten, wenn die Lösungen nicht sofort kommen,
  • die Haltung, ein Versagen auf die Wahl der falschen Strategie zurückzuführen statt auf eigene Inkompetenz.
Diskutieren, Strukturieren, Reflektieren
Vielen Schülern fällt es schwer, über Mathematik zu sprechen und sich adäquat auszudrücken. Gerade das informelle Reden in der Gruppe bietet eine gute Gelegenheit, passende Vorstellungen zu entwickeln und sich im fachspezifischen Ausdruck zu üben. Beim Versuch, ihre Ideen auszudrücken, erwerben und entwickeln die Lernenden notwendigerweise die entsprechenden Begriffe. In der Diskussion und dem Vorstellen des Erarbeiteten im Plenum wird der Umgang mit der Fachsprache ebenso geübt wie die Wahl angemessener Darstellungsformen der jeweiligen mathematischen Sachverhalte.
Im Anfangsunterricht Mathematik werden oft Rechenstrategien und Vorgehensweisen konkret benannt und diskutiert: „24 mal 6 ist 144. Wie...

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