5. – 13. Schuljahr

Bärbel Barzel

Ich-Du-Wir

Sich mit einem Thema wirklich auseinandersetzen

Geht es Ihnen auch manchmal so? Sie hören von einem Problem, finden es interessant und wollen es lösen und bevor Sie überhaupt richtig anfangen nachzudenken, platzt jemand mit dem Ergebnis heraus. Frust kommt auf, eventuell Ärger, im schlimmsten Fall Resignation. Leider verspüren viele Schülerinnen und Schüler im normalen Schulalltag diese oder ähnliche Gefühle, wenn die Lehrperson eine anregende Frage stellt und nach Minimalzeit dann doch diejenigen dran genommen werden, die schnell aufgezeigt haben.
Dieses Problem lässt sich einfach lösen auch im Frontalunterricht. Man muss nur dem Grundsatz folgen, den Urs Ruf und Peter Gallin als grundsätzliches Unterrichtsprinzip erkoren haben: „Ich-Du-Wir (Gallin/Ruf 1995, 1999). Neue Aktualität hat dieses Prinzip als Organisationsmethode im Rahmen des kooperativen Lernens (Green/Green 2005) erhalten, wo es unter dem Begriff „Think-Pair-Share oder „Listen-Think-Pair-Share bekannt wurde.
Problembearbeitung in 3 Phasen
Ob englische oder deutsche Bezeichnung die geniale Idee ist, dass nach einem anregenden Impuls zunächst Zeit gewährt wird, in der Jeder und Jede für sich alleine überlegen kann.
Die ICH-Phase
In dieser ersten, so genannten ICH-Phase, herrscht Stille, auf deren Einhalten man unbedingt achten sollte, um angemessene Konzentration zu ermöglichen. Jeder sucht auf seine Weise nach ersten Ideen, Lösungsansätzen oder gar fertigen Lösungen. Durch diesen einfachen methodischen Trick gewährt man wirklich allen Lernenden die Zeit, sich auf ihre individuelle Weise dem Problem zu nähern. Es ist Raum für eigene Assoziationen und Erinnern von Bekanntem, ohne durch Wege von anderen beeinflusst oder gar gestört zu werden. Selbst wenn der Einzelne hier keine fertigen Ergebnisse vorzeigen kann, so setzt er sich doch mit dem Problem auseinander. Alle haben Gelegenheit und sind gefordert, zu denken und nicht nur diejenigen, die eine schnelle Antwort in der Klassen-Öffentlichkeit vorstellen können ein wichtiger Unterschied zur normalen Antwortsituation nach einem Impuls im Frontalunterricht.
Die DU-Phase
Die Notwendigkeit, sich mit der Fragestellung wirklich auseinanderzusetzen, ist durch die Verpflichtung gegeben, dass in der zweiten, der DU-Phase, die eigenen Gedanken mit einem Partner ausgetauscht und besprochen werden. Durch die Bildung von Gesprächspaaren steht jeder in der Verantwortung, seinen Beitrag zu leisten. Es sind alle gefragt und aktiv mit der Sache beschäftigt. Die Gefahr, sich mit anderen Dingen zu befassen oder sich innerlich zurückzuziehen, ist noch geringer als in einer Kleingruppenarbeit und erst recht als im frontalen Geschehen.
Es empfiehlt sich, nicht immer die gleichen Partner wählen zu lassen, sondern ab und zu nach dem Zufallsprinzip zu agieren, damit man im Laufe der Zeit mit verschiedenen Mitschülern zusammen kommt. Dies erhöht die Flexibilität der Einzelnen, sich auf verschiedene Partner einzustellen und verhindert, dass sich fest gefahrene Gesprächsmuster oder Ablenkmechanismen einschleifen.
Im Zweiergespräch kann man seine Antwort in einem geschützten Raum „ausprobieren. Viele teilen einem Einzelnen gegenüber ihre Ideen und Gedanken viel eher mit als dem gesamten Plenum. Die Mischung aus Mitteilen, Zuhören, Erklären und Klären hilft, die eigenen Gedanken auszuschärfen und zu verfeinern. Dass hier wichtige Prozessqualitäten wie zum Beispiel Begründen und Argumentieren beim Erklären und Widerlegen der Lösungsansätze geschult werden, kann man sich leicht vorstellen. Zudem verhilft diese Paarinteraktion, Sicherheit zu gewinnen, so dass man es später schafft, seine Gedanken auch einer größeren Öffentlichkeit zu präsentieren.
Die WIR-Phase:
In der WIR-Phase werden die Ideen präsentiert in einer Kleingruppe von 4 bis 6 Schülern oder im Plenum. In dieser Phase profitiert man von der Vielfalt der unterschiedlichen Wege, die vorgestellt...

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