5. – 13. Schuljahr

Ralph Hepp

Gemeinsam beginnen

Einstieg in kooperative Lernformen

Die Einführung kooperativen Lernens im Unterricht stellt Lehrende wie Lernende vor neue Herausforderungen. Nur Schritt für Schritt kann die Weiterentwicklung des Unterrichts gelingen.

Die Schüler arbeiten in kleinen Gruppen, um sich beim Lernen des Stoffes gegenseitig zu helfen. Mit diesen einfachen Worten beschreibt Robert E. Slavin den Grundgedanken kooperativen Arbeitens (Slavin 1989). Es geht um Gruppenarbeit, um gegenseitige Hilfe und ganz zentral um Lernen. Dies sind die drei Grundpfeiler des kooperativen Lernens ein Konzept, das in der aktuellen Unterrichtsforschung als überwiegend positiv hinsichtlich der Lernleistung wie auch der Entwicklung sozialer Kompetenzen beurteilt wird (z.B. Gudjons, 2003). Dabei wird stets betont, dass die Gruppenarbeit richtig instruiert werden muss. Kooperatives Lernen funktioniert nicht ohne Zutun und Einflussnahme der Lehrenden und ohne diesbezüglich bereits erworbene Fähigkeiten der Lernenden.
Zwei Wege zu kooperativem Lernen
Beim kooperativen Lernen soll gemeinsam gelernt werden, sowohl auf inhaltlicher Ebene als auch hinsichtlich des Kommunikations- und Sozialverhaltens. Damit hebt sich Kooperatives Lernen deutlich von nicht strukturierter Gruppenarbeit ab, bei der leicht ein Nebeneinander von Aktivitäten entsteht. Häufig dominieren leistungsstärkere Schüler, während leistungsschwächere oder wenig interessierte sich zurückziehen und sich auf das Mit- oder Abschreiben beschränken. Beim kooperativen Lernen dagegen spielt die Gruppenidentifikation und das Zugehörigkeitsgefühl zu einem Team eine entscheidende Rolle. In Kasten 1 sind die entsprechenden Kennzeichen kooperativ arbeitender Gruppen aufgelistet.
Kasten 1: Was zeichnet Lerngruppen bei kooperativem Arbeiten aus?
Kasten 1: Was zeichnet Lerngruppen bei kooperativem Arbeiten aus?
  • Die Gruppen arbeiten über einen längeren Zeitraum in (fast) gleicher Zusammensetzung.
  • Gezielte Maßnahmen und Strukturen erzeugen eine positive gegenseitige Abhängigkeit innerhalb der Gruppe.
  • Die Mitglieder übernehmen Verantwortung für die eigenen Lernprozesse und auch für die Lernprozesse der anderen.
  • Es werden gezielte Aktivitäten durchgeführt, um den Übergang von der Gruppe zum Team zu fördern.
  • Die Mitglieder übernehmen bestimmte Rollen, mit denen die Organisationsarbeit verteilt und strukturiert wird.
  • Soziale Fertigkeiten werden systematisch gefördert, sind ein Lernziel.
  • Die Lehrkraft beobachtet die Gruppenarbeit und gibt regelmäßig Rückmeldungen über die Arbeit und das Verhalten des Teams.
  • Die Gruppenarbeit selbst ist ein Lernprozess, eine spätere Gruppenarbeit baut auf dem erreichten Stand im sozialen Gefüge des Lernteams auf.
Je nach Lerntyp und Sicherheitsbedürfnis profitieren die Schülerinnen und Schüler in unterschiedlichem Maße vom kooperativen Lernen: Auf manche wirken neue Arbeitsformen motivierend, andere fühlen sich eher verunsichert. Dies ist mit ein Grund, das kooperative Lernen nicht zur überwiegenden Unterrichtsform zu machen. Insgesamt wird empfohlen, etwa 20% bis 30% der Unterrichtszeit kooperativ zu gestalten (vgl. Wodzinski, 2004; Weidner, 2003).
Stabile Lernteams
Eine Möglichkeit, kooperatives Lernen umzusetzen, liegt in der Bildung stabiler Lernteams mit einer klaren und selbstständig angenommenen Aufgabenverteilung. Die Teambildung und die Zunahme sozialer Kompetenzen bis hin zu einer Kommunikationsfähigkeit, die sowohl das gegenseitige Helfen und Erläutern als auch das bewusste Zuhören einschließt, entwickelt sich aber nur über einen längeren Zeitraum.
Das Fach Mathematik bietet mit seinem relativ großen Stundenvolumen eine gute Möglichkeit zur Einführung in kooperatives Lernen. Günstig ist es, wenn möglichst schon in den Klassenstufen 5 und 6 mit den Teambildungsprozessen begonnen wird. Dabei lassen sich viele Probleme vermeiden, wenn man den Schülerinnen und Schülern Zeit für die Partnersuche und...

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