5. – 13. Schuljahr

Tanja Wehrse/Wolfram von Kossak

Selbstständigkeit fördern

Lernen begleiten mit Lernprotokollen und Checklisten

Neulich beim Elternsprechtag: Angesichts der Klassenarbeitsnoten ihres Sohnes betroffen, bitten mich Eltern um eine Einschätzung, wie und warum es denn zu den vorliegenden mangelhaften Leistungen kommen konnte. Es handelt sich um einen netten, nicht unintelligenten und gar nicht mal besonders arbeitsunwilligen Jungen, der oft vor Arbeiten angibt, die Inhalte im Wesentlichen verstanden zu haben. Da sich bei der nächsten Arbeit keine nennenswerte Verbesserung einstellt, blieben die üblichen Lehrerratschläge für beide Seite unbefriedigend: „Du musst dich mehr anstrengen. etc.
Trotz verbreiteter Eingangstests beim Übergang in die weiterführenden Schulen und verordneter Lernentwicklungsberichte ist eine Lernausgangsdiagnose im engeren Sinne nicht möglich. Für eine lernpsychologisch fundierte Diagnostik sind Lehrer in der Regel nicht ausgebildet, die Grenzen von psychologischen Fehl-Dispositionen und unausgebildeten Grundvorstellungen bzw. Fehldeutungen verschwimmen.
Diagnose und Feedback
Für die Unterstützung des (Mathematik-)Lernens, für passgenaues Fördern und Fordern ist es wichtig, die Fähigkeiten und Schwierigkeiten unserer Schülerinnen und Schüler frühzeitig zu erkennen und zu verstehen. Dies gilt über die fachlich-inhaltlichen Leistungen hinaus: Auch Arbeitshaltung und -tempo, Motivation, Sprachgewandtheit, Vorerfahrungen und sozialer Umgang spielen im Unterricht und bei der Planung differenzierender Maßnahmen eine wichtige Rolle. Sich selbst und (Lern-)Situationen richtig einschätzen zu können, ist für die Schüler eine bedeutende Fähigkeit, die sie auch im Mathematikunterricht erlernen können wenn sie ein entsprechendes Feedback erhalten. Sonst bleiben die Potenziale für die Förderung von Eigenverantwortlichkeit und Selbstorganisation ungenutzt.
Zu Beginn einer Unterrichtseinheit können etwa differenzierende Einstiege und Wochenpläne im Sinne einer präventiven Binnendifferenzierung viele Lernschwierigkeiten auffangen. Üblicherweise erhalten die Schüler eine erste Rückmeldung automatisch beim Vergleich bearbeiteter Aufgaben mit Musterlösungen oder durch Verweis auf vollständig gelöste bzw. bekannte Aufgaben. Bei jüngeren Schülern ist gerade bei sprachlich freieren Aufgaben(teilen) eine genauere Rückmeldung erforderlich, weil sie häufig nicht in der Lage sind, eigene Texte mit der Musterlösung oder mündlichen Beiträgen anderer sinnvoll abzugleichen.
Dennoch ist es entscheidend, etwaige Probleme im Vorfeld der Klassenarbeit zu kennen und sie den Schülern rechtzeitig vor der Überprüfung zurückzumelden. Dem erfahrenen Lehrer reichen als Diagnose des erreichten Lernstandes oft Eindruckswerte aus der Unterrichtssituation (Rückfragen der Schüler, Einblicknahme durch Herumgehen etc.). Diese führen in Ausnahmefällen zur Wiederholung einzelner Aspekte im Unterricht. Mit passenden Aufgaben lassen sich Lücken im neuen Themengebiet auch systematische erfassen. Dies erzeugt gleichermaßen Transparenz und Sicherheit.
Das Lernprotokoll
Das Lernprotokoll (Kasten1) ist eine Variante, ein frühes und systematisches Feedback zu geben.
Kasten 1: Lernprotokoll
Kasten 1: Lernprotokoll
Ein Lernprotokoll ist ein unbenoteter Kurztest zum aktuellen Stoff, der Orientierung geben soll für das, was bereits nach den ersten Einführungsstunden wichtig ist. (Was muss ich kennen, was muss ich können?)
Die Aufgaben sollten auf zentrale Fragen des Themas beschränkt sein sowie einen Alltags- oder typischen Anwendungsbezug herstellen. Komplexität und Aufwand sind niedrig.
Aufgaben erstellen
Folgende typische Fragestellungen sind besonders geeignet für ein Lernprotokoll:
  • Das Einstiegsbeispiel der Unterrichtsreihe erläutern. (Worum geht es?)
  • Eine Grundaufgabe und ihre Umkehrung (formulieren und) lösen.
  • Wo kann man das neue Verfahren/den neuen Satz/Begriff anwenden und wo nicht? (Sinn und Sachbezug...

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