5. – 13. Schuljahr

Volker Ulm

Das ist neu, das erforsche ich!

Einstiege differenzierend gestalten

Binnendifferenzierung mag in Unterrichtsphasen der Übung, Anwendung und Vertiefung unmittelbar einleuchtend erscheinen. Aber ist dieses Konzept auch tragfähig, wenn Schülerinnen und Schüler mit neuem Lehrplanstoff vertraut gemacht werden sollen? Wäre es hier nicht doch besser, wenn alle „das Gleiche lernten?
Auch in Phasen der Neuerarbeitung spielen die Unterschiede von Schülerinnen und Schülern z.B. in Bezug auf Begabungen, Fähigkeiten, Wissen, Vorerfahrungen, Motivation, Interessen, Lernbedürfnisse etc. eine Rolle. Entsprechend verlaufen jegliche Erarbeitungs- und Lernprozesse im Kopf bei jedem anders. Darüber kann auch ein Unterricht, bei dem alle Schülerinnen und Schüler äußerlich „im Gleichschritt das Gleiche machen, nicht hinwegtäuschen. Lernen ist unvermeidbar ein ausgesprochen individueller Prozess, jede(r) lernt anders und etwas anderes. Dies kann und sollte man bei der Gestaltung des Unterrichts von vornherein berücksichtigen auch in Einstiegsphasen.
Forschendes Lernen als Grundidee
Wie kann Binnendifferenzierung bei der Erarbeitung von Neuem praktisch gestaltet werden? Ein hilfreicher Denkansatz ist, die Lernenden als kleine (oder große) „Forscher zu betrachten und ihnen entsprechende Anregungen zu „forschendem Lernen zu geben.
Beim forschenden Lernen erschließen sich die Lernenden ein (ihnen zunächst unbekanntes, subjektiv als komplex wahrgenommenes) Themenfeld zumindest partiell durch eigenständige kognitive Aktivität, indem sie ausprobieren, Beispiele betrachten, Behauptungen durchdenken … Diese Begriffsbildung betont den subjektiven Charakter forschenden Lernens.
Natürlich sind die Lehrplaninhalte als mathematisches Wissen seit langem vollständig bekannt z.T. seit Jahrtausenden. Dennoch kann im Unterricht das individuelle Lernen, das Erarbeiten eines neuen Themenfeldes, als Forschungsprozess gestaltet und wahrgenommen werden.
Sozialer Austausch ist ein ganz wesentliches Element mathematischer Forschung. Deshalb bietet gerade das Konzept des forschenden Lernens Möglichkeiten, Kooperation und Kommunikation der Lernenden miteinander zu fördern. Auch in Partner- und Gruppenarbeit können Schülerinnen und Schüler Mathematik als persönliches und lebendiges Forschungsfeld erfahren, das zu kreativem Denken und Tun, zur Entwicklung und Umsetzung eigener Ideen, aber auch zur Zusammenarbeit mit anderen einlädt.
Konzeption von Aufträgen
Arbeitsaufträge leiten das Denken und Tun der Schülerinnen und Schüler und sind damit für den Ertrag des Unterrichts ganz wesentlich. Dies gilt besonders bei einer forschenden Erarbeitung neuer Inhalte. Doch was ist bei der Konzeption solcher Aufträge zu berücksichtigen?
Einstieg für alle
Alle Schülerinnen und Schüler der Klasse sollten einen Einstieg in die jeweilige Thematik finden können und bereits in der Anfangsphase Erfolgserlebnisse haben. So gewinnen sie das Gefühl: „Ich kann hier etwas zustande bringen. Ansonsten geben sie bald resigniert auf, wenden sich zumindest innerlich vom Thema ab und der offen gestaltete Unterricht wird zur Zeitverschwendung. Deshalb ist es wichtig, die ersten Arbeitsaufträge so zu formulieren, dass sich alle substanziell mit Mathematik beschäftigen und sie dabei sichtbare Ergebnisse erzielen können.
Binnendifferenzierung
Die Schülerinnen und Schüler können verschiedenartige Arbeitsaufträge erhalten. Hierbei ist einerseits eine Differenzierung in Bezug auf die Schwierigkeit denkbar. Einige grundlegende Aufträge sollten von allen bearbeitet werden, anspruchsvollere Aufträge können etwa den Gedankengang auf höherem Niveau erweitern. Es ist andererseits aber auch Binnendifferenzierung in Hinblick auf die Vielfalt von Aspekten sinnvoll. Zu einem mathematischen Begriff oder einem Satz gibt es in der Regel mehrere Zugänge und Betrachtungsweisen. Den Lernenden kann in dieser Hinsicht Wahlfreiheit angeboten werden. Die beiden...

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