Lernstände diagnostizieren und Lernen begleitenImpressionen: Workshop mit Marilyn Holmes

Am 22.8.2019 veranstalteten wir gemeinsam mit der Leibniz Universität Hannover einen Fortbildungsnachmittag. Marilyn Holmes (University of Otago) stellte in Vortrags- und Workshop-Phasen das neuseeländische "Numeracy Development Project" vor. Neuseeland gilt als "Bildungswunderland" mit einheitlichen Lehrplänen, systematischer Schulentwicklung und langfristiger Lehrerfortbildung. Wie können die Konzepte zur Förderung des Zahl- und Operationsverständnis auch unseren Unterricht verbessern?

Marilyn Holmes (University of Otago, Neuseeland)

Foto: Friedrich-Verlag

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Lernstand und Lernangebot aufeinander abzustimmen, ist eine große Herausforderung. In Australien und weiterführend in Neuseeland wurde ein Lernentwicklungsmodell zur Arithmetik ausgearbeitet, welches vom Erwerb des Zahlbegriffs bis zur Prozentrechnung reicht. Das darauf aufbauende Diagnostische Interview, in dem Wissen, Grundvorstellungen und Rechenstrategien ermittelt werden können, wird in übersetzter Fassung seit einigen Jahren auch an deutschen Schulen erfolgreich eingesetzt. Es hat sich an Grundschulen und weiterführenden Schulen besonders in stark heterogenen Klassen oder in der Arbeit mit neu Zugewanderten als sehr hilfreich erwiesen. 

Marilyn Holmes hat an der Entwicklung und Durchführung des Numeracy Development Projects mitgearbeitet und Schulen bei der Unterrichtsentwicklung und Lehrerfortbildung begleitet. Sie gab uns die Gelegenheit, das Lernentwicklungsmodell und das darauf basierende diagnostische Interview vertieft kennenzulernen und stellte darauf aufbauende Unterrichtskonzepte vor. 

Was ist das "Numeracy Development Projekt"?

Numeracy Development bedeutet Entwicklung der Rechenfähigkeit. Das Projekt vermittelt einen anderen, erfolgreich evaluierten Ansatz für einen effektiven Mathematikunterricht. Das Projekt möchte Lehrerinnen und Lehrer unterstützen, erfolgreicher zu unterrichten. Es vermittelt Kenntnisse darüber, wie Kinder Mathematik lernen - fokussiert auf das Beobachten, wie die Kinder beim Lösen von Rechenaufgaben und Zählaufgaben vorgehen (Strategien). Das zugrundeliegende Lernentwicklungsmodell skizziert die Entwicklungsstadien, die auftreten, wenn Kinder von der Verwendung naiver Strategien zur ausgefeilteren Strategien voranschreiten, um die Probleme zu lösen.

Ein wichtiges Instrument des Projekts ist das diagnostische Interview KIWIS, mit dessen Hilfe der jeweilige Lernstand der Kinder ermittelt wird - so kann ich passgenau auf die Bedürfnisse der Kinder eingehen und Lerngruppen so zusammenstellen, dass ich mit einer Gruppe gemeinsam an ihrem nächsten Entwicklungsschritt arbeiten kann. Entsprechend wird das Classroom-Management umgestaltet und unterschiedliches Material bereitgestellt.

Mit der Zeit schulen die Lehrkräfte ihren Blick für die Stufen im Lernentwicklungsmodell und können diese (unbenotete) „formative Leistungsbeurteilung“ in ihrem regulären Unterricht etablieren. Im Dialog mit den Lernenden können wir den Lernprozess mit einem diff erenzierten Leistungsfeedback fördern und transparent genauer über den erreichten Entwicklungsstand und die nächsten erforderlichen Lernschritte informieren.

Beispiel multiplikative Rechenstrategien

Folgender Auszug aus dem Lernentwicklungsmodell zeigt, wie sich Kompetenzen zur Multiplikation und Division entwickeln.

  • Niveau 6: Fortgeschrittene additive – frühe multiplikative Rechenstrategien (Zerlegung/Ergänzung):
    Das Kind kann mindestens zwei Rechenstrategien zur Lösung von Additions- und Subtraktionsaufgaben mit mehrstelligen Zahlen nutzen. Es löst Multiplikationsaufgaben ausgehend von Grundaufgaben. Es verwendet multiplikative und additive Strategien zur Bearbeitung von Bruchaufgaben, z. B. 3/4 von 24.
  • Niveau 7: Fortgeschrittene multiplikative – frühe proportionale Rechenstrategien:
    Das Kind wählt zunehmend geeignete Zerlegungsstrategien aus und berechnet oder überschlägt so die Lösungen zu Aufgaben, die Multiplikation und Division beinhalten.
  • Niveau 8: Fortgeschrittene proportionale Rechenstrategien:
    Ein Kind auf diesem Niveau wählt zunehmend aus einem Repertoire von Zerlegungsstrategien aus, um Lösungen zu Aufgaben zu ermitteln und zu überschlagen, die Bruchrechnung und Zuordnungen beinhalten.

Zum Weiterarbeiten

Ein Auszug aus dem Neuseeländischen Material zur Multiplikation finden Sie hier. Es enthält außer der Beschreibung von zentralen Kenntnissen und Strategien exemplarisches Material für Lernangebote zur Unterstützung des Übergangs zu einem nächsthöheren Niveau, hier von Niveau 6 zu 7 mit ausführlichen Erläuterungen. Anregungen für die anderen Übergänge finden Sie auf der Seite des neuseeländischen Projekts nzmaths.co.nz.

Weitere Informationen zum Diagnostischen Interview KIWIS: hier

Das gesamte diagnostische Interview KIWIS: Jetzt bestellen

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