Gedanken zum OrdnenWie gestalte ich eine gute Ergebnissicherung?

Der Einstieg ist gut gelaufen, die Klasse erkundet das vorbereitete Beispiel - und wir haben Zeit, kurze Einblicke in die Ideenwelt der Lernenden zu bekommen. "Was passt nachher in die Präsentationsphase?" Gleich gilt es, das Erarbeitete zu bündeln, auch "unerwartete" Schülerbeiträge einzusortieren und das Gemeinsame aus der Fülle herauszuarbeiten. Dies fällt leichter, wenn man klar weiß, was genau in der Ergebnissicherung im Unterricht festgehalten werden soll. 

Schraubgläser mit sortiertem Inhalt

Foto: congerdesign / Pixabay

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Jeder Schüler, jede Schülerin bringt aus einer Erkundung kontextgebundene Ideen und Erfahrungen mit. Wie werden diese in zusammenhängendes, konsolidiertes Wissen und Können überführt, das im Einklang mit den existierenden Definitionen und Sätzen steht (Systematisieren)? Und wie kann dieses Wissen und Können so festgehalten werden, dass Lernende darauf langfristig zugreifen können (Sichern)?

Zu Ergebnissicherung im Unterricht - Brüche

Will man etwa den Begriff des Bruchs sichern, bleibt die Frage: Was genau daran? Die Fachvokabeln Zähler und Nenner sind sicherlich wichtig, aber nicht der Kern. Soll eine formale Definition aufgeschrieben werden? Und dazu Abgrenzungswissen, was kein Bruch ist? Oder auch die zugehörigen Vorstellungen und Darstellungen? Hier ist es sinvoll, sich eine Übersicht über die verschiedenen Wissenselemente zu verschaffen.

Arten und Facetten des Wissens

Man unterscheidet drei Arten des Wissens:

  1. Konzeptuelles Wissen wie Konzepte (Definitionen) und Zusammenhänge (Sätze) 
  2. Prozedurales Wissen wie Mathematische Verfahren (Algorithmen) und Handwerkliche Verfahren (Wie konstruiere ich eine Mittelsenkrechte?)
  3. Metakognitives Wissen (Strategien des Problemlösens, Strategien des Modellierens)

Die Entscheidungen zwischen den verschiedenen Wissensfacetten (explizite Formulierungen, Konkretisierung und Abgrenzung, Bedeutungen und Vernetzung, Konventionelle Festlegung) sollte man als Lehrkraft systematisch treffen.

Zwischen Nachvollziehen und Selbstfinden

Im Unterricht sucht man meist einen Mittelweg zwischen den beiden Extremen des "reinen Nachvollziehens" und des "kompletten Selbstfindens". Die Herausforderung liegt darin, einerseits nicht zu viel Zeit und Mühe auf individuelle Schülerlösungen zu verwenden, andererseits aber die Lernenden so weit aktiv an dem Prozess des Systematisierens und Sicherns zu beteiligen, dass das zu sichernde Wissenselement nicht nur im Heft, sondern auch in den Köpfen ankommt.

Ein möglicher Mittelweg: Die Schülerinnen und Schüler machen die ersten Formulierungsversuche allein, die dann aber gemeinsam im Unterrichtsgespräch diskutiert werden. Das Gespräch wird von der Lehrperson moderiert und gelenkt – mit dem Ziel einer gemeinsamen endgültigen Formulierung. Dieses Vorgehen bietet viele weitere Zwischenstufen mit Aktivitäten, die das Spektrum zwischen Selbstfinden und Nachvollziehen füllen, etwa die gemeinsame Arbeit an halb geeigneten (Schüler-) Lösungen oder die Weiterarbeit an vorstrukturierten Teilgedanken.
 



 

Ordnen im Unterricht: Planungsschritte

1. Welche Wissenselemente werden systematisiert und gesichert?

  • Konkretisierungen (Beispiele) und Abgrenzungen (Gegenbeispiele), oder auch explizite Formulierungen (Regeln, Definitionen, Sätze, Verfahren)?
  • Welche Bedeutungen und Zusammenhänge sollten explizit gesichert werden?
  • Auf welche Konventionen muss man achten?

2. Wie soll der gesicherte Eintrag am Ende aussehen?

  • Welche Wissensfacetten sollen explizit festgehalten werden?
  • Welche Gestaltung ist für die Lernenden später nützlich? (Einsatz von Farben, verschiedene Darstellungen, Tabellenform, …)

3. Wie können Lernende bei der Erstellung des Eintrags aktiv werden?
    Welche „Aneignungshandlungen“ bieten sich an?

  • Wie viel gebe ich vor, wie viel erarbeiten die Lernenden selbst? Was ist hier für die ausgewählten Wissenselemente möglich und wichtig?
  • Wie komplex sind die expliziten Formulierungen, was können Lernende davon allein bewältigen?
  • Welche Vorstellungen und Darstellungen haben die Lernenden schon entwickelt und können sie formulieren? Wo brauchen sie Unterstützung durch das Aufgabenformat (z. B. durch Zuordnen gegebener Texte oder Beispiele)?

4. Welche Unterrichtsformen und -methoden passen zu den gewählten Aneignungshandlungen?

  • Was kann in Einzelarbeit erfolgen, wo ist Kommunikation mit anderen Lernenden oder der ganzen Klasse sinnvoll oder sogar erforderlich?
  • Welche Schritte muss ich als Lehrkraft kontrollieren, um sicher zu gehen, dass nichts Falsches festgehalten wird?

Ob die Identifizierungs-, Zuordnungs-, und / oder Beispiel-Begründungs-Handlungen nun in Einzel-/Gruppen- oder Partnerarbeit, im Klassengespräch oder mit der Ich-Du-Wir-Methode (Barzel 2006) vollzogen werden, wird man sich in der Vorbereitung stets auch in Abhängigkeit von Schwierigkeitsgrad, Stand der Klasse und verfügbarer Zeit überlegen.

 


Quelle: Susanne Prediger, Bärbel Barzel, Timo Leuders, Stephan Hußmann (2011): Systematisieren und Sichern. Nachhaltiges Lernen durch aktives Ordnen - In: mathematik lehren 164, Friedrich Verlag.

 

 

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