Dynamic PricingZahlen beim Einkauf – eine neue Variable?

Ein Thema in diesem Sommer war die für Verbraucher oft merkwürdig veränderliche Preisgestaltung. Im Marketing-Fachjargon spricht man von „dynamic pricing“. Was ist damit gemeint? Wir finden, es lohnt sich, über Preise genauer nachzudenken – auch im Mathe-Unterricht.

Illustration: Bezahlen an der Supermarktkasse

Foto: dutchpirates/Pixabay CC0 Creative Commons

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Preisentwicklung eines Produktes beim Internethändler Idealo

Grafik: www.idealo.de

Preisschwankungen sind nichts Neues. Gab es bis 2004 noch die klassischen Sommer- und Winterschlussverkäufe, so dürfen mittlerweile „Saisonschlussverkäufe“ nach Belieben durchgeführt werden. Auch Tagesschwankungen sind bei den Benzin- und Diesel-Preisen ein gut zu beobachtendes Alltagsphänomen. Mittlerweile bieten digitale Preisschilder auch beim Lebensmitteleinkauf im Supermarkt die Möglichkeit, Preise einfach auf Knopfdruck zu ändern. Dynamic Pricing ist, wie der Name schon sagt, eine Verkaufsstrategie, die durch dynamisches Preismanagement den Umsatz optimieren möchte. Oft geht das mithilfe ausgeklügelter Algorithmen. 

Warum ist das für den Mathematik-Unterricht interessant? Hier werden (diskrete) funktionale Zusammenhänge (Zeitpunkt → Preis) ebenso erkennbar wie wirtschaftliche (Nachfrage → Preis). Und es wird auch deutlich, dass ein Preis nicht immer allzu viel mit dem Produkt oder der Leistung zu tun hat (allgemeinbildender Aspekt). Neben zeitabhängigen Preisen (Donnerstags sind Schuhe günstig) gibt es nachfrageabhängige (hohe Nachfrage → hohe Preise, d. h. peak load pricing) und wettbewerbsabhängige (z. B. immer der günstigste Anbieter) Modelle. Konkret könnte diskutiert werden:

  • Wie oft wechselt der Preis eines Produktes bei einem Internetanbieter? 
  • Welche Preisstrategien lassen sich beobachten?
  • Welche Rolle spielen unsere Daten beim Einkauf?
  • Wie würdet ihr Preise gestalten? Was findet ihr „fair“?

Online shopping clever gestalten

Während es an der Tankstelle keinen (Preis-)Unterschied macht, ob ich in einer teuren Limousine oder einem alten Bulli an der Zapfsäule den Tank fülle, sieht das beim Online-Shopping anders aus. Tendenziell zahlen iOS-User mehr als Android-Surfer, Tablet-Nutzer mehr als PC-Nutzer (hier lieferten statistische Auswertungen Hinweise auf die durchschnittliche Kaufkraft). 

Algorithmen stecken hinter der Auswertung nutzerbezogener Daten, hier kann auch das individuelle Kaufverhalten der Vergangenheit zur Preisgestaltung ausgenutzt werden. Hier einige Spar-Tipps:

  1. Verschiedene Browser nutzen und Cookies löschen
  2. Sich erst an der Kasse anmelden (nicht schon beim Stöbern)
  3. Von verschiedenen Kanälen und über verschiedene Geräte zum Preisvergleich auf die Produktseite gehen 
  4. IP-Adresse ändern (VPN-Dienst, Tor-Browser)

VPN steht für Virtual Private Network. Was sich dahinter genau verbirgt und welche Dienste man nutzen kann, um verschlüsselt und anonym im Internet zu surfen haben unter anderem heise Download hier und PC Welt hier recherchiert. 

Rabatte und Prozente

Beim Thema Einkaufen gibt es natürlich bei den Prozentangaben viele Übungsmöglichkeiten (die Fragen können die Schülerinnen und Schüler eigentlich auch selbst stellen und in Gruppen bearbeiten): 

  • Der alte und der neue Preis sind gegeben – wie viel Prozent Rabatt sind das? 
  • Der alte Preis und die Rabatt-Prozentangabe sind gegeben – wie viel muss man bezahlen?
  • Der neue Preis und die Rabatt-Prozentangabe sind gegeben – wie teuer war das Produkt ursprünglich?

Die Kür sind dann doppelte Rabatte: „30 % reduziert, jetzt nochmals 20 % Rabatt auf alles“. 

Vor dem Bezahlen rechnen

Ist Ihnen das auch schon passiert? An der Kasse ist das Angebot auf einmal keines mehr und es wird ein höherer Preis angezeigt. Mir ging es neulich im Baumarkt so. Da ich nur ein Produkt kaufen wollte, fiel es mir rechtzeitig – also vor dem Bezahlen – auf. Dann ging es etwas hin und her, ein Mitarbeiter musste nachschauen (warum hatte ich eigentlich nicht gleich ein Foto vom Preisschild gemacht?) ... Bei einem umfangreicheren Einkauf kann ein höherer Preis an der Kasse schon mal durchgehen, denn kaum jemand rechnet direkt beim Ablegen der Ware in den Einkaufskorb mit (auch wenn das eine gute Übung wäre).

  • Wie viel käme in einem Supermarkt bei 5 Cent „Kassenfehler“ pro Einkauf wohl am Tag zusammen?  

So ist die Rechtslage

Die Preisauszeichnung ist eine sogenannte „invitatio ad offerendum“ (invitatio = Einladung, ad = für, offerendum = Angebot) und damit die Aufforderung des Verkäufers: „Biete mir diesen Preis für die Ware“. Mit dem Einscannen und Anzeigen des Preises an der Kasse nennt der Verkäufer wiederum den gewünschten Preis. Durch das Bezahlen wird der Kaufvertrag dann abgeschlossen. Fällt der Irrtum erst danach auf, gibt es kein Recht auf den günstigeren Preis, es ist die Kulanz des Verkäufers, wie die Verbraucherzentrale hier erklärt. Auch der Jurist Christian Solbecke erläutert gut verständlich den Einkauf im Supermarkt in einem kurzen Video.

Literatur

Die Frankfurter Rundschau stellte 2017 in einem lesenswerten Artikel Die Preisfage  

Als Impuls für den Unterricht eignet sich der kurze Podcast-Beitrag des WDR 2 Dynamische Preisanfrage

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