Fields-Medaille 2018Mehr als nur begabt

Mathematiker im Porträt: Im August wurde die Fields-Medaille verliehen – mit Peter Scholze war diesmal auch ein Deutscher unter den Preisträgern. Was zeichnet ihn und die anderen herausragenden Mathematiker – Caucher Birkar, Alessio Figalli und Akshay Venkatesh – aus? Welches Bild von Mathematik vermitteln diese Menschen?

Prof. Peter Scholze an seinem Arbeitsplatz

Video: DFG bewegt/Creative Commons-Lizenz mit Quellenangabe

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Zugegeben, die Nachricht der Verleihung der Fields-Medaille hat mich überrascht – einfach deshalb, weil schon wieder vier Jahre vergangen sind. Diesmal sorgte der Preisträger Peter Scholze für ein großes Medienecho in der deutschen Presse. Doch auch die anderen drei ausgezeichneten Mathematiker sind interessante Persönlichkeiten.

Portraits aktueller Spitzenmathematiker

In der Schulmathematik scheinen neben all der Theorie auch immer mal wieder die Menschen hervor, die diese Theorien entwickelt haben: Leonard Euler und Carl Friedrich Gauss, Euklid und Hypatia, Pythagoras und Archimedes, Gottfried Wilhelm Leibniz und Georg Cantor um nur einige zu nennen. Anekdoten, Lebensdaten und Zeichnungen oder Fotos zeigen die Persönlichkeiten.

Mit den etwa 5 minütigen englischsprachigen Video-Portraits der Fields-Medaillen-Preisträger gibt es nun die Gelegenheit, einen Einblick in das Leben und Arbeiten heutiger Mathematiker zu gewinnen. Uns begegnen vier Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebensgeschichten. Begabte Menschen, die die Mathematik zu ihrem Beruf gemacht haben, die sich für ihr Wissensgebiet begeistern und versuchen, die Grundideen hier einem breiten Publikum vorzustellen.

Die Filme sind mit englischen Untertiteln versehen und ab der 8. Klasse verständlich. Sie können durchaus im Mathematikunterricht oder auch fächerverbindend im Englischunterricht eingesetzt werden, beispielsweise in einer Gruppenarbeit mit anschließender Kurz-Präsentation und gemeinsamer Diskussion in der Klasse. Als Fokusfragen bieten sich dazu an: 

  • Woher kommen diese Mathematiker?
  • Wie sieht ihr Alltag aus?
  • Was ist ihnen wichtig bei der Arbeit? Welches Bild von der Mathematik vermitteln sie?
  • Womit beschäftigen sich die Mathematiker?

Wer lieber auf deutschsprachige Filme zurückgreifen möchte, dem sei das kurze Filmporträt​​​​​ von Peter Scholze anlässlich des Gottfried Wilhelm Leibniz-Preises der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) 2016 empfohlen (Dauer: 1:21 Min.). Einen groben Eindruck von dem, womit sich Peter Scholze beschäftigt, gewinnt man in der Aufzeichnung seiner Antrittsvorlesung in Bonn (Sommersemester 2017), wo er elementar beginnend möglichst viele Zuhörer mit auf die Reise in seine Ideenwelt mitnehmen möchte (Dauer: 30 Min.). Und Ulf von Rauchhaupt hat in seinem FAZ-Artikel Räume, die vor ihm niemand sah einen lesenswerten Erklärungsversuch der nun ausgezeichneten Arbeiten von Peter Scholze unternommen. 

Begabung erkennen

Peter Scholze besuchte das Heinrich-Hertz-Gymnasium in Berlin, eine Schule mit mathematisch-naturwissenschaftlichen Schwerpunkt und besonderer Begabtenförderung. Im Gegensatz dazu erlebte Caucher Birkar (kurdisch ‚Migrierter Mathematiker‘, geboren als Fereydoun Derakhshani im Iran) im Iran Krieg und Armut, sein älterer Bruder brachte ihm die Ideen der Differenzial- und Integralrechnung bei, seine Schulbildung war eher dürftig. Beide hatten das Glück, in ihren Begabungen erkannt und gefördert zu werden. Wie sieht das in unseren Klassenzimmern aus?

Ein besonderes Talent für Mathematik zeigt sich nicht zwingend in einer guten Note. Manchmal verblüffen uns Schülerinnen und Schüler durch ihre ungewöhnlichen Lösungideen, ihr wirkliches Interesse und die Fähigkeit, sich auch einmal in Aufgaben „verbeißen“ zu können. Außergewöhnliche mathematische Fähigkeiten beinhalten allgemeine Fähigkeiten, wie u. a.:

  • ein gutes Gedächtnis
  • Raumvorstellungsvermögen 
  • abstraktes Denken

und fachspezifischen Fähigkeiten, wie u. a.:

  • eine formalisierte Wahrnehmung und schnelle Strukturerkennung von Aufgaben
  • das Denken in mathematischen Symbolen
  • ein schnelles und weitreichendes Verallgemeinern mathematischer Objekte und Beziehungen
  • das Umkehren von Gedankengängen („Rückwärtsdenken“) 
  • ein gutes Gedächtnis für mathematische Zusammenhänge

Dazu braucht es noch Kreativität und eine gehörige Portion Anstrengungsbereitschaft, um tatsächlich zu den „Hochleistenden“ zu zählen.

Die Grenzen des Verstehens

Bei dem Versuch nachzuvollziehen, womit sich die Fields-Medaillen-Preisträger beschäftigen, kommen wir alle schnell an unsere Grenzen. Auch dies ist eine wertvolle Erfahrung für unsere Lehrer-Rolle: Es gibt Bereiche, die wir – wenn überhaupt – nur mit sehr großer Mühe durchdringen und verstehen können, auch wenn sie uns grundsätzlich interessieren. So wie uns mag es auch einigen Lernenden mit Themen der Schulmathematik gehen: Sie strengen sich an, kommen nicht weiter, finden keinen rechten Zugang und wenden sich anderen Themen zu. Hier gilt es, die Verstehensgrundlagen auszuloten. Mit didaktischem Fingerspitzengefühl lassen sich Lernangebote entwickeln, die genau dort ansetzen und gleichzeitig motivieren. So können wir fordern ohne zu überfordern und dabei die jeweiligen persönlichen Leistungsgrenzen respektvoll anerkennen.

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